Olympische Sommerspiele Athen 1896

Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit fanden vom 6. bis zum 15. April 1896 in Athen statt. Mit der Wahl des Austragungsortes wollte man die historische Rolle Griechenlands für den olympischen Gedanken würdigen. Erst über ein Jahrhundert später wurde Athen 2004 erneut Gastgeber der Spiele.

Das auf antiken Fundamenten rekonstruierte Panathinaiko-Stadion war Olympiastadion der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen (Foto: Luke McKernan/Flickr/CC BY-SA 2.0)

An den Spielen der 1. Olympiade nahmen insgesamt 241 Athleten aus 14 Ländern teil. Sie konnten sich in 43 Wettkämpfen aus zehn Disziplinen und neun unterschiedlichen Sportarten messen.

Vorgeschichte

1875 wurden unter Leitung des deutschen Archäologen Ernst Curtius (1814-1896) die antiken Wettkampfstätten im griechischen Olympia ausgetragen. Heute besuchen 800.000 Touristen pro Jahr diesen Ort. 1800 Betten und ein Campingplatz stehen für Übernachtungen zur Verfügung.

Diesen Boom hätte es nicht gegeben ohne die Olympischen Spiele der Neuzeit. Die antiken Spiele, die aller vier Jahre ausgetragen worden sind, hatte der römischen Kaiser Theodosius 393 verboten. Als Christ störte er sich an der heidnischen Tradition. Damit endete auch die Tradition der alten griechischen Stadtstaaten, während der Spiele Frieden zu halten.

Die alte Idee des Friedens und der körperlichen Ertüchtigung wolle der französische Baron Pierre de Coubertin (1863-1937) neu beleben. Seit den 1880er Jahren verfolgte er dieses Ziel. 1894 sprach er dazu auf einer eigens organisierten Konferenz an der Pariser Universität Sorbonne.

Die ersten olympischen Spiele der Neuzeit sollten eigentlich im Jahr 1900 hier in Paris stattfinden, im Rahmenprogramm der Weltausstellung. So dachte sich das Pierre de Coubertin. In Paris gab es dann 1900 auch wirklich olympische Spiele. Aber es waren nicht die ersten, sondern die zweiten. Der Anfang wurde 1986 in Athen gemacht, und das kam so.

Wahl des Austragungsortes

Auf der Pariser Konferenz von 1894 fürchtete man, bei der langen Wartezeit von sechs Jahren bis zu den ersten Olympischen Spielen würde der Elan nachlassen und am Ende gar nichts daraus werden. Darum wollte man schon 1896 mit den ersten Spielen starten und überlegte zunächst, London als Austragungsort auszuwählen. De Coubertin schlug dann aber, nachdem er sich mit dem griechischen Delegierten Demitius Vikelas (1835-1909) besprochen hatte, Athen vor. So wurde es beschlossen und Vikelas zum ersten Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees gewählt.

Vorbereitung der Wettkampforte

Griechenland, das nach einer Erhebung 1821 seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangt hatte, war ein bitterarmes Land. Der Plan, ein antikes Stadion für die Spiele der Neuzeit auszugraben, scheiterte an den Kosten. Stattdessen wurde auf den Grundmauern eines historischen Stadions aus der Zeit um 330 vor Christus ein neues Stadion gebaut, bei dem Architekt Anastasios Metaxas alle noch vorhandenen Relikte verwendete.

Es entstand das hufeisenförmige 236 Meter lange Panathinaiko-Stadion. Es bot knapp 70.000 Zuschauern Platz und wird noch heute zuweilen für Veranstaltungen verwendet, unter anderem für Konzerte, wobei das Publikum aber nicht so zahlreich erscheinen darf. Ursprünglich sollte die Tribüne komplett mit Marmor verkleidet werden. Teilweise wurden sie aber in Holz ausgeführt, da die Zeit drängte.

Die gesamten Kosten übernahm der Geschäftsmann Georgios Averoff (1818-1899), der insgesamt 920.000 Drachmen spendete. Zum Vergleich: Sonderbriefmarken trugen 400.000 Drachmen zur Finanzierung der Spiele bei, 200.000 Drachmen erbrachte der Verkauf der Eintrittskarten.

Ablauf der Spiele in Athen

Insgesamt soll es bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit mehr als 310.000 Zuschauer gegeben haben, darunter 30 bis 40 Journalisten. Die Zahl der Zuschauer ist geschätzt. Für die Sportler gibt es eine genaue Zahl: 241 Athleten traten an. Es waren allesamt Männer. Frauen ließen die Regularien noch nicht zu. Frauen durften immerhin zuschauen. In der Antike war ihnen nicht einmal das erlaubt, als die Athleten übrigens nackt antraten.

Bei der Eröffnungsfeier am 6. August gab es noch nicht den heute bekannten Einmarsch der Mannschaften. Gruppiert nach Nationen fanden sich die Sportler aber im Innenraum des bis auf den letzten Platz besetzten Stadions ein und der griechische König Georg I. eröffnete die Spiele mit der auch heute üblichen Formel, wobei er aber hinzusetzte: „Lang lebe das griechische Volk.“ 150 Chorsänger trugen eine extra komponierte Hymne vor, begleitet von neun Kapellen.

Nach dem antiken Vorbild sollten die Spiele neun Tage dauern. Sie wurden jedoch um einen Tag verlängert, weil es am 14. April sintflutartig regnete und man besseres Wetter für die Abschlussfeier abwartete.

Wettkämpfe

Beim 100-Meter-Lauf sorgte der US-Amerikaner Thomas Burke für Verwunderung. Damals beugten sich die Sprinter nur stehend vor. Burke verwendete schon den bis heute üblichen Tiefstart. Er beherrschte ihn aber nicht so, dass er ihm sichtbare Vorteile brachte. Fritz Hofmann kam im Finale deutlich schneller vom Start weg. Doch Burke überholte ihn noch und gewann.

Beim Diskuswurf hatte Burkes Landsmann Robert Garrett im wahrsten Sinne des Wortes leichtes Spiel. Die antike Disziplin kannte man in den USA noch nicht. Garrett ließ sich nach historischen Abbildungen zum Üben einen Diskus schmieden, der fünf Kilogramm wog. In Athen musste er dann nur einen zwei Kilogramm schweren Diskus schleudern.

Mit besonderem Prestige verbunden war schon 1896 der Marathon. Er knüpft an eine Legende an: Die Kunde vom Sieg der Griechen über die in der Ebene von Marathon gelandeten Perser im Jahr 490 vor Christus soll ein dauerlaufender Bote nach Athen überbracht haben, der noch die Nachricht überbringen konnte und dann erschöpft sein Leben aushauchte. Beim griechischen Geschichtsschreiber Herodot findet sich dagegen nur ein Bote, der militärische Hilfe aus Sparta holen sollte, die dann allerdings viel zu spät auf dem Schlachtfeld eintraf.

Sei’s drum. Das Griechenland von 1896 wollte unbedingt den Marathon gewinnen und schaute sich unter seinen Soldaten um, wer Talent zeigte, die rund 42 Kilometer zügig zu bewältigen. Als Strecke ausgewählt war der Weg von Marathon nach Athen, den angeblich der antike Bote vom Schlachtfeld aus gelaufen war.

Der spätere Sieger Spiridon Louis, Sohn eines Bauern, soll seinen Offizieren aufgefallen sein, weil er von Einkäufen so schnell wieder zur Stelle war. In einem Test belegte er unter den ausgewählten Soldaten zwar nur den fünften Platz, trat aber beim Marathon an, bei dem sowieso mehr Griechen als Ausländer starteten, von denen einer vorher noch nie eine so lange Strecke gelaufen sein soll. Unterwegs soll er angeblich in einem Wirtshaus eingekehrt und ein Glas Wein getrunken haben. Er fragte die Gäste, wie weit vorn die Konkurrenz liege und beruhigte die Besorgten, er werde sie noch spielend einholen und gewinnen.

Diese oft erzählte Anekdote hat sein Enkel später nicht bestätigt. Stattdessen erzählte er, sein Großvater habe zehn Kilometer vor dem Ziel von einem Verwandten einen Schnaps gereicht bekommen und getrunken. Später ist Spiridon Louis nie wieder bei einem Olympischen Wettbewerb angetreten, hat sich mit Sport nach seiner Militärzeit nicht befasst. Aber 1936 wurde er als Ehrengast zu den Olympischen Spielen in Berlin eingeladen, wo er mit griechischer Nationaltracht auftrat und dem heute umstrittenen, weil von Hitler verehrten, Monumentalbildhauer Arno Breker Modell saß.

Medaillenspiegel

Griechenland erkämpfte insgesamt zehn Goldmedaillen, nur die USA schnitten mit elf goldenen Medaillen besser ab. Allerdings bekamen die Sportler auf Platz eins aus Kostengründen nur die billigeren Silbermedaillen. Für die Zweitplatzierten gab es Bronze und für die Dritten gar nichts.

In den Medaillenspiegeln von heute wird den Siegern aber nachträglich Gold, den Zweiten und Dritten Silber und Bronze zuerkannt, damit die Wertung mit der später üblichen vergleichbar ist. Deutschland kommt im Medaillenspiegel auf Rang drei. Es war mit einer Rumpfmannschaft angereist, nachdem es in der Heimat hieß, die Spiele seien „welscher“, also französischer „Unfug“. Insbesondere den deutschen Turnern ging es gegen ihre Ehre, bei Wettkämpfen anzutreten, bei denen auch Radsportler antraten. Der Sieger in einem der Radrennen hatte übrigens unterwegs zwei Pannen und fuhr schlussendlich mit einem Drahtesel ins Ziel, das er sich von einem Zuschauer lieh.

PlatzLand S B3.Ges.
1 Vereinigte Staaten117220
2 Griechenland10181947
3 Deutsches Reich65213
4 Frankreich54211
5 Großbritannien2327
Medaillenspiegel der Olympischen Sommerspiele 1896 in Athen

> Zum vollständigen Medaillenspiegel


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